2 von 80 Millionen!

Fussball aus zwei anderen Perspektiven

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    Deutschland braucht einen neuen Lothar Matthäus

    Die Weltmeisterschaft 2010 ist Geschichte, und wieder einmal hat Deutschland nicht den Titel, wenn auch weltweit viele Sympathien, gewonnen. Mit diesem Blog starten Amir Kassaei und ich eine andere, neue Geschichte: Wir sind 2 von 80 Millionen Deutschen, die Fußball lieben. In diesem Blog werden wir das tun, was alle Fußball-Fans tun: Wir werden Fußball analysieren, ihn auseinandernehmen und zusammenfügen, mit Sicherheit auch mal streiten. Am Ende, wann auch immer dieses kommen wird, werden wir sagen: Wir sind Weltmeister. Das ist die Mission, das muss das Ziel sein. Denn damit fing bei mir alles an.

    Es war 1990. Ich war zehn Jahre alt und hatte bis dahin nicht so recht mitbekommen, dass es so etwas wie einen professionell organisierten Spielbetrieb gibt. Ich kickte auf dem Hof mit meinen Freunden – das war für mich Fußball. Dann kam der 10. Juni 1990 und veränderte mein Leben: Irgendwie, es kam sonst so gut wie gar nicht vor, schaute man uns bei uns daheim Fußball, und Deutschland siegte im seinem ersten WM-Vorrundenspiel gegen Jugoslawien 4:1.  Die Nationalmannschaft um Klinsmann, Brehme und Reuter begeisterte mich. Und: Es war das beste Spiel von Lothar Matthäus in seiner ganzen Karriere. Er steuerte nicht nur zwei Tore zum Sieg bei, seine Aktionen glichen denen eines Dirigenten. Wir kennen das Ende: Deutschland wurde Weltmeister. Bislang zum letzten Mal.

    Seitdem habe ich so gut wie kein Länderspiel verpasst, die Bundesliga passioniert verfolgt, mir Banales gemerkt (etwa die Bundesliga-Torschützenkönige seit 1990) und mich permanent über Transfer-Gerüchte informiert. Ich liebe Fußball. Fußball ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Wie vielen Deutsche ist mir die Nationalmannschaft heilig. Umso dramatischer ist es für mich, dass wir seit 1990 nie wieder Weltmeister wurden. Stets gehören wir zu den Favoriten, stets bleiben wir auf der Strecke.

    Man kann viele Gründe dafür anführen – etwa, dass mit Berti Vogts lange ein Trainer die Verantwortung für die wichtigste Mannschaft der Nation trug, der keinen einzigen Trend mitbekam. Oder dass die Jugendarbeit in Deutschland jahrelang vernachlässigt wurde. Oder aber dass Spieler zu lange einfach nur "funktionieren" mussten. Seit 1996, als Deutschland Europameister wurde, ist Vogts’ Ausspruch „Das Team ist der Star“ ein viel zitiertes Credo. Dabei zeigt es nur eins auf: Unsere Mannschaft ist gut, aber wir verfügen über keine exponierten Akteure und Spielerpersönlichkeiten. Ein System, in dem viele gleich sind und niemand über- oder untergeordnet ist, kann nur dann funktionieren, wenn jeder gleichermaßen intrinsisch motiviert und in höchstem Maße diszipliniert ist. Doch kommt das selten vor – nicht nur im Fußball sondern auch in der Wirtschaft sowie in der Politik. Deswegen gibt es Geschäftsführer, Parteivorsitzende oder Kapitäne.

    Frankreich dominierte um die Jahrtausendwende den Fußball. Natürlich weil man eine großartige Mannschaft und den genialen Zidane hatte. Vor allem aber weil Laurent Blanc sie anführte und keine Eitelkeiten zuließ. Oder Spanien jetzt: Man gewinnt erst Titel, seitdem mit Xavi ein Akteur auf dem Platz steht, der nicht nur einer der besten Mittelfeldspieler aller Zeiten sondern vor allem der unumstrittene Häuptling dieser Mannschaft ist. Spanien hat zwei Trainer – einer steht auf dem Platz. Genau so ein Spieler fehlt uns. Und das nicht erst seit Ballacks Verletzung kurz vor der Weltmeisterschaft. Sondern seit 1990 – als Lothar Matthäus das Turnier seines Lebens spielte und die Mannschaft ihm blind folgte.

    Matthäus wurde 1990 Weltfußballer des Jahres. 1991 erneut. Seitdem wurde keinem deutschen Spieler diese Ehre zuteil. Weder Matthias noch Matthias Sammer noch Oliver Kahn und auch nicht Michael Ballack. Als Deutschland 1996 Europameister wurde, war Sammer der Chef auf dem Platz, und er hätte mit Sicherheit in die riesigen Fußstapfen von Matthäus treten können, wäre seine Karriere nicht von Verletzungen gezeichnet gewesen.

    Fußball ist ein Mannschaftssport. Und am Ende gewinnt das Team, das im Verbund am besten funktioniert. Am besten funktioniert es aber dann, wenn einer die Initiative ergreift und seine Kameraden anweist, sie aufrichtet und lobt. Ein großer Spieler muss nicht immer im Zentrum stehen. Er muss auch wissen, wann es nicht so gut läuft, so dass man Anderen das Feld überlässt. Lothar Matthäus hätte im WM-Finale 1990 gegen Argentinien den Straf-Elfmeter schießen sollen – und tat es nicht. Angeblich weil er mit neuen Schuhen spielte und sich nicht sicher fühlte. Andreas Brehme übernahm - und traf. Deutschland war Weltmeister. War Matthäus ein Feigling? Mitnichten. Lothar Matthäus in der Form der Weltmeisterschaft 1990 war der beste deutsche Spieler, den ich jemals gesehen habe.

    Langsam schwinden meine Zweifel, dass wir noch lange auf einen Titel warten müssen. Ja, wir haben bei dieser WM den mit Abstand besten Fußball gespielt. Aber: Uns fehlte der Leader, der General, der Chef. Klinsmann und Löw sahen (und sehen?) in Ballack einen solchen – ich nicht. Ballack war bei der WM 2006 im perfekten Fußball-Alter (um die 30). Und doch ist es ihm damals nicht gelungen, die Mannschaft zu führen. Es gab nur einen Chef: Klinsmann. Ob der damalige Bundestrainer aufgrund seiner aggressiven Rhetorik selbst Schuld an dieser Tatsache hat, bleibt der Theorie überlassen. 2012, spätestens 2014, könnte Bastian Schweinsteiger zu Matthäus’ Erben aufsteigen. Bei dieser WM war er der mit Abstand beste deutsche Feldspieler. Und auch wenn Lahm die Kapitänsbinde trug, war Schweini der „emotionale Leader“ (O-Ton Löw). 2014 wird Schweinsteiger 29 Jahre alt sein – wie Matthäus 1990. Schon jetzt ist er erfahrener als Matthäus 1990. 28, 29 und 30 – es ist das für einen Fußball perfekte Alter, weil man zum einen über etwa zehn Profi-Jahre Erfahrung gesammelt hat und der Körper noch belastbar ist. Vier Jahre bleiben Bastian Schweinsteiger, um aus einem Weltklassespieler eine Legende zu werden. Eine Legende, wie Lothar Matthäus 1990.

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    • 12 July 2010
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    over 1 year ago Frank responded:
    Da ich ein total unsportlicher Typ bin, ist meine Fußball-Leidenschaft nicht so ausgeprägt. Meine erste Weltmeisterschaft, die ich erlebt habe, war 1974. Damals war ich acht Jahre alt, an den Sieg im Endspiel gegen Holland kann ich mich noch gut erinnern.

    Bis zur WM 2010 mochte ich die fußballspielenden Holländer nicht, wohl eine Konsequenz aus der Abneigung meines Großvaters gegen die Käsköppe, wie er sie immer nannte. Gestern Abend habe ich mich aber emanzipiert und mit Oranje gefiebert. Leider ist nichts daraus geworden. Wieder nur Vize. Und wir mal wieder Dritter, wie schon vor vier Jahren.

    Bestimmt klappt es 2014, aber eigentlich ist es dann zu spät: Meine Jungs sind dann 18 und 16.

    over 1 year ago Mike Schnoor responded:
    Mike Schnoor
    ...und ich dachte, um 10 Uhr beginnts. Ihr seid zu früh :)
    over 1 year ago Sachar Kriwoj responded:
    Sachar Kriwoj
    Mike, wir konnten es eben nicht mehr abwarten :-)
    over 1 year ago Andre Paetzel responded:
    Andre Paetzel
    Hallo Sachar,
    wirklich schöne Beitrag! Ich stimme dir zu, dass ein Team auf jeden Fall eine Führungsperson braucht. Wer mir da auch noch einfallen würde, der auch so jemand war, der das Team mitreißen konnte war Stefan Effenberg. Für mich war er auch eine zentrale Figur, sei es bei den den Bayern oder der Nationalelf.

    Aber allgemein finde ich es doch sehr schwierig, dieses Thema zu verallgemeinern. In spielen wie gegen Argentinien oder England sagt im nachhinein jeder, dass es gut war, einen Ballack nicht dabei zu haben. Das Spiel hätte sich auf ihn fokussiert. Bei spielen wie gegen Serbien oder Ghana, hätte man ihn schon gerne dabei gehabt, weil er das Heft in die Hand genommen hätte.

    Allgemein ist es glaube ich wirklich schwer zu sagen, aber persönlich denke ich, dass sich das Spiel mehr auf die unterschiedlichen Köpfe verlagern wird. Große Stars wie Ronaldo und Co konnten mit dem Druck nicht umgehen. Ich persönlich finde es gut, wenn man dieses mehr auf die Schultern mehrerer verteilt.

    Freue mich auf weitere Beiträge.

    over 1 year ago Sven responded:
    Auch ich habe 1990 begonnen Fußball leidenschaftlich zu verfolgen und musste miterleben wie die deutsche Mannschaft sich danach zu sehr auf der Tradition ausruhte.
    1996 und der Finaleinzug 2002 dürfen auf dem Weg in die Gegenwart als mehr oder minder erfolgreiche Zufälle des Schicksals bewertet werden.

    Heute sind wir spielerisch und technisch die zweitbeste Mannschaft der Welt - Spanien ist einfach noch einen Schritt weiter. Aber, und da stimme ich dir voll und ganz zu, mit Bastian Schweinsteiger haben wir einen Spieler, der nicht nur das Spiel, sondern die gesamte Mannschaft dirigieren kann. Wie gut er dieses Jahr gespielt hat, obwohl es die erste Saison war, in der er auf dieser Position gesetzt war, lässt auf nicht weniger als den nächsten Weltklassespieler aus Deutschland hoffen. Er wird besser als Ballack, Sammer und Matthäus, denn seine integrative Autorität stellt sich trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht über den Rest der Mannschaft und passt damit perfekt in diese junge deutsche Mannschaft mit flacher Hierarchie!

    Spätestens in 2 Jahren haben wir eine deutsche Mannschaft, die die perfekte Balance zwischen TikiTaka und Kaltschnäuzigkeit gefunden haben wird. Diese Spanien-Schönspielerei ist nur solange erfolgreich, wie jede andere Mannschaft versucht zu werden wie sie. Du musst aber nicht nur Ballett tanzen können, sondern auch Boxen. Spanien reicht im Moment ein leichter Haken mit der Führungshand (Ecke -> Kopfball), denn die Gegner lassen sich zu leicht von diesen 70% Ballbesitz frustrieren. Die deutsche Mannschaft hingegen übt sich seit 2006 darin spielerisch auf ein höheres Niveau zu kommen, hat aber in Khedira und Schweinsteiger mindestens zwei Spieler, die auch über die nötige Wucht im Spiel verfügen.

    Der Unterschied zu den Spaniern, der uns auf Jahre hinaus unschlagbar machen wird, ist damit benannt. Spielkultur und Technik werden in der deutschen Mannschaft ergänzt durch Effizienz und Durchschlagskraft.

    Einzig der Sturm muss etwas Sorgen bereiten, denn dort ist keiner auf Kloses Niveau erkennbar, solange Gomez in den falschen Mannschaften spielt und von dort frustriert zu den internationalen Turnieren reist.

    over 1 year ago Sachar Kriwoj responded:
    Sachar Kriwoj
    Andre, ich denke nicht, dass man Ballack mit Spielern wie Blanc, Xavi oder auch Matthäus 1990 vergleichen kann. Ballack ist ein toller Spieler, sehr dominant in seinem Auftreten - aber eben kein absoluter Leitwolf, wie ihn gerade unsere noch junge Mannschaft braucht. Ein Team braucht viele Akteure, die vorangehen, aber einen Spieler, der die Zügel fest in der Hand hält. Schweini hatte schon bei dieser WM die meisten Ballkontakte in der deutschen Mannschaft. Nun muss er noch an seiner Persönlichkeit arbeiten, um zum absoluten Weltstar aufzusteigen. Den braucht Deutschland.
    over 1 year ago Vernen Liebermann responded:
    Meine Prognose: die nächsten 4 Jahre gehören uns...!
    over 1 year ago Christian Lüdtke responded:
    Moin Sachar, da spricht viel Wahres aus deinem Text! Übrigens: hab ich dir eigentlich mal berichtet, dass ich 1990 in Italien genau dieses 4:1 gegen Jugoslawien in San Siro gesehen habe. Und dass unser Käfer damals kaputt gegangen ist und wir ausgeraubt wurden und...na egal ;-)

    Ich denke, ein (weiterer) wesentlicher Aspekt für den Titel war, dass einige Spieler in internationalen Ligen (insb. Italien) gespielt haben. Ich bin davon überzeugt, dass das Spielen bei Top-Mannschaften im Ausland wahnsinnig wichtig ist. M.E. hat auch Kollege Ballack sehr davon profitiert, die "Selbstverstänlichkeit des Siegens" zu erleben. Ein internationaler Titel für eine deutsche Vereins-Mannschaft ist ja immer noch eine Überraschung - für viele Mannschaften in England, Spanien oder Italien ist das ein Saisonziel! Ich hoffe sehr, dass nach der WM neben Boateng noch weitere Jungs (Özil, Khedira, Poldi, Mertesacker, etc.) deshalb den Weg ins Ausland finden und wir so weitere internationale Klasse gewinnen!

    over 1 year ago (Facebook) responded:
    Naja, ja. Nein. Irgendwie. Schweinsteiger, das würde schon passen. Und bei der vergangenen WM hat er ja die Rolle, die du ihm hier zugedenkst schon übernommen. Was fehlt, aus meiner Sicht, wären so Typen wie Guido Buchwald oder der Kokser in der Abwehr. Lahm und Boateng oder Aogo in allen Ehren, aber die Innenverteidigung wird in 4 Jahren anders aussehen.
    over 1 year ago Sachar Kriwoj responded:
    Sachar Kriwoj
    Christian, ne, die 1990er-Story fehlt mir noch. Die musst Du mir demnächst bitte genauer erzählen. Der von Dir angeführte Punkt, das Spielen im Ausland, findet meine absolute Zustimmung. In Deutschland gibt es nur eine Mannschaft, die mit den Großen in Europa mithalten kann, und das ist der FC Bayern. Spielern, die beim HSV, Werder, Schalke oder sonst wo spielen, würde ein Wechsel nach England, Spanien oder Italien gut tun.

    Michael, da stimme ich Dir zu. Mertesacker hat sich seit 2006 kaum weiterentwickelt. Ihm würde ein Wechsel ins Ausland (s.o.) nicht schaden. Friedrich wird in vier Jahren altersbedingt keine Rolle spielen. Ich setze in Hummels große Hoffnungen. Mal sehen, wie er sich entwickeln wird.

    over 1 year ago (Facebook) responded:
    Ich freue mich schon auf mehr Sachar! Dein Stil gefällt mir wirklich gut.

    Ich finde es auch richtig und wichtig, dass Spieler internationale Erfahrung sammeln. Aber es heißt nicht, dass nur weil jemand im Ausland spielt, er gleichzeitig besser wird. Beispiel Effenberg: Seine große Zeit war sicher nicht in Florenz sondern bei Galdbach und Bayern Ende der 90er-2001 in der Bundesliga. Damals war die Bundesliga auch vll noch ein Stück näher an der Primiera Division, Seria A oder der Premier League dran.

    Genau da muss die Bundesliga eben wieder hin. Wichtig finde ich, dass Vereine wie Bremen (sehr gutes Umfeld), Schalke (guter Trainer), Dortmund (dto. große Zukunft), Leverkusen oder auch Stuttgart, Hamburg, meinetwegen auch Wolfsburg, ein bisschen mehr Klasse einkauft. Die Bundesliga hat zwar in den letzten Jahren die Seria A spielerisch abgleöst, jetzt müssen die Vereine das international auch in der Breite umsetzen! (Bremen, Hamburg und die Bayern haben es in den letzten zwei Jahren ja gut vorgemacht).

    Sollte Löw bleiben, freue ich mich auf eine Zukunft mit Tasci, Träsch, Großkreutz, Hummels, Helmes (wenn er verletzungsfrei bleibt der beste junge Mittelstürmer den wir haben), Wagner (hoffentlich entwickelt er sich bei Werder), Contento, Kroos, Müller, Khedira etc etc, die Liste wird lang. Und natürlich Schweinsteiger! Denn da hast du vollkommen recht. Er war der beste Feldspieler des Turniers und auf der Position, mit dem "Reifeprozess", wird er ein Großer!

    over 1 year ago Stefan responded:
    Lieber Sacha, mit Verlaub: das ist doch Unsinn. Wer ist denn der Lothar Matthäus des aktuellen Weltmeisters? Eben! Der Kern des modernen Fußballs ist nicht nur, auf Typen wie Matthäus (und seine Position) zu verzichten, sondern vor allem: dieses Führungssspieler-Ding aufzulösen. Xavi, Iniesta, Fabregas, Xabi Alonso sind zusammen Matthäus!
    over 1 year ago (Facebook) responded:
    Mir ist Sammer in dem Artikel zu sehr Randfigur. Genau solch ein Spieler fehlt mMn der Mannschaft momentan, weniger einer wie Matthäus. Ein Leitwolf mit unbedingtem Siegeswillen, der die Mannschaft mitreißt und antreibt, wirklich das Letzte aus sich herrauszuholen. Der aufrüttelt und laut wird, wenn's sein muss. Jedoch nicht, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern immer im Sinne des Erfolges. Ein Kopf der Mannschaft, der führt, aber nicht zu exponiert ist.

    Denn an sich ist dieses "die Mannschaft ist der Star" ja gar nicht falsch. Die Messis, C. Ronaldos, Rooneys, auf die sich in ihren jeweiligen Teams alles konzentriert hatte, konnten dem Turnier (wieder einmal) nicht den Stempel aufdrücken. Erfolgreich waren die Teams, die als Mannschaft ausgerichtet waren und auch so aufgetreten sind - mit Spanien als erfolgreichstem Vertreter dieser Art. Denn im Prinzip ist deren Spiel auch nichts anderes als "die Mannschaft ist der Star" - eben auf höchstem Niveau, da im jeder dieser 11 für sich auch noch einmal individuell ein super Spieler ist. Aber eine wirklich exponierte Stellung hat dort keiner.

    Zurück zu Deutschland: Leider sehe ich so einen Typ Sammer in der derzeitigen DFB-Generation nicht - da scheinen alle etwas zu brav zu sein, wenn's darauf ankommt, auch Schweinsteiger. Die bisher letzten Spieler dieser Art waren Kahn & - mit Abstrichen - Lehmann, die es als Torhüter aber naturgemäß schwerer als ein Feldspieler hatten, das auf dem Platz auch auf die Mannschaft zu übertragen.

    over 1 year ago Amir Kassaei responded:
    Amir Kassaei
    @schark:
    Also, ich sehe es viel nüchterner. Fakt ist Deutschland hat bei der WM 1990 genau zwei gute Spiele gespielt: Das Spiel gegen Jugoslawien und das Achtelfinale gegen Holland. Das Spiel gegen Jugoslawien war Lothars bestes Spiel in der Nationalelf. Gegen Holland war er nicht zu sehen und im Finale war er auch jenseits seiner Möglichkeiten. 1990 hatte Deutschland aber wirklich einen Leader. Der war aber nicht auf dem Platz sondern an der Seitenlinie und hiess Franz Beckenbauer. Matthäus war sicher ein sehr guter Mittelfeldmann aber zu einer herausragenden Spielerpersönlichkeit gehört mehr als zwei Jahre guter Fussball. Ich kann es sagen, denn ich bin Gladbach Fan und Matthäus kommt von Borussia. Der moderne Fussball braucht aber keine Einzelkönner. Das haben wir bei dieser WM und bei der letzten EM aber auch in der letzten Champions League gesehen. Moderner Fussball funktioniert ähnlich wie die moderne Welt. Flache Hierarchien, offene Gemeinschaft, ein gemeinsames Ziel und die Gewissheit dass jeder gemäss seinen Fähigkeiten und seinem Charakter in einem Team mehr und bessere Ergebnisse produziert als andersrum. Aber dazu mehr in meinem nächsten Beitrag.
    over 1 year ago Sachar Kriwoj responded:
    Sachar Kriwoj
    Amir, ich würde Dir jetzt widersprechen, aber ich warte erst einmal auf Dein Posting.
    over 1 year ago Torsten Eckert responded:
    Torsten Eckert
    Hallo Sachar,

    erst Mal Glückwunsch zum Start des neuen Blogs! Die Idee zu diesem Blog finde ich schon mal richtig klasse.

    Jetzt zu dem Post. Deine Meinung, dass die Mannschaft einen Leader, einen "big man" braucht, die teile ich allerdings überhaupt nicht.

    Hierzu hat Roger Cohen, von der New York Times einen tollen Blogpost geschrieben: "Özil the German" (http://www.nytimes.com/2010/07/02/opinion/02iht-edcohen.html) in dem er nicht nur die Brücke zur Situation in Afrika schlägt, sondern sehr schön darstellt, dass alle Teams bei dieser WM mit jeweils einem "Big Man" an eben diesem gescheitert sind.

    Der Erfolg des Deutschen Teams bei dieser WM beruht ja auch im Wesentlichen auf der Teamleistung (wie Du ja auch selbst sagst) und flachen Hierarchie. Auch der neue Weltmeister Spanien verkörpert ein Team mit einer Reihe an starken Persönlichkeiten, bei der auch DER große Führungsspieler fehlt. Das hat Spanien definitiv geholfen.

    Insofern bin ich eher der Meinung, dass hier die Zukunft liegt und nicht in der Rückkehr zu einem Spielertypus, der es später u.a. auch nicht mehr verstanden hat, rechtzeitig seinen Abschied zu nehmen und praktisch immer von der Bild-Zeitung protegiert wurde und ja wohl auch als Quelle für eben diese fungiert hat.

    Auch insofern halte ich Matthäus für das falsche Beispiel.

    over 1 year ago Sachar Kriwoj responded:
    Sachar Kriwoj
    Thorsten, ich spreche nicht von Lothar Matthäus in seiner Gesamtheit sondern Lothar im Jahr 1990. Da war er der Chef. Und es geht nicht darum, auf dem Platz omnipräsent zu sein; dann wirst du in der Tat berechenbar. Mir geht es um die Kombination aus großer Leistung und natürlicher Autorität. Mannschaften ohne Chef auf dem Platz, und zu dieser These, stehe ich, funktionieren nicht (optimal). Spanien ist ein falsches Beispiel: Auch wenn der Kapitän im Tor steht, der Chef, ohne den nichts geht, ist Xavi.
    over 1 year ago thomaswenzeldesigns responded:
    thomaswenzeldesigns
    Mh, ja possibli maybe, but maybe not. Die Zeit der wirklich großen Leader ist aus meiner Sicht eigentlich vorbei. Natürlich stellt sich immer die Frage wer ist der Leader. Der einzelne oder das funktionieren Kollektiv. Ich würde mich eher für das Kollektiv entscheiden, welches zwar einen »Führer« hat, der aber nicht der eigentliche Leader ist auf den ein Spiel zugeschnitten ist. Ballack 2002 ist ein Beispiel. Der ging zwar voran, gebracht hat es aber letztendlich auch nichts. Der Fußball im Jahr 2010 ist definitiv ein komplett anderer als 1990 und eigentlich auch schon weiter als 2006. Aber zurück zu Deinem Ursprungsjahr 1990. Für mich war das schon die 3 Weltmeisterschaft und eine, die ich irgendwie schwächer in Erinnerung habe als beispielsweise meine erste von 1982. Mit einer Mannschaft in der die Förster-Brüder noch als Bollwerk galten und Hrubesch als Turm im Sturm. Von Krummbein Litti und Bananenflanke Kaltz mal abgesehen. Eigentlich war das damals eine Mannschaft die sehr stak war und die schon als Kollektiv gespielt hat und es bis ins Endspiel geschafft hat mit wirklich guten Leistungen. Abgesehen von der Vorrunde. In der aber die alte Regel gilt »Hauptsache weiterkommen«. Damals war diese in der Lage den Gastgeber Spanien sowie die Franzosen mit Platini zu besiegen. Eben als Kollektiv. Den damaligen aggressive Leader gab es nicht. Das war nicht Karlheinz Förster, Magath oder Rummenige. Es war die Mannschaft. Und so ist es aus meiner Sicht heute auch. Es regiert der System-Fußball, nach diesem System sucht sich ein Trainer seine Spieler aus. Spanien mit einem Block aus Barca in der Abwehr und im Mittelfeld ist das beste Beispiel. Xavi ist beileibe kein Leader, das ist vielleicht Puyol. Aber hier ist es wirklich das Kollektiv. Die Funktion des Leader beschränkt sich aus meiner Sicht eher auf die Integration der Spieler in das Kollektiv.
    Natürlich kann er auch wie ein Van Bommel das obligatorische Zeichen setzten. aber wichtig muss die Integration der Spieler sein. Der unbedingte Siegeswille kann im heutigen Fußball nur von der Mannschaft ausgehen und nicht von einem einzelnen Spieler. Dafür ist der moderne Fußball zu Komplex. Früher hieß es »Schalte Maradonna aus und du gewinnst das Spiel« und genau so hat Argentinien gespielt, schalte Messi aus oder unterbinde seine Passwege und man gewinnt das Spiel. Schalte Xavi aus funktioniert nicht. Was macht man mit den anderen Elf Spielern, die permanent neue Dreiecke stellen und somit immer neue Spielsituationen schaffen. Daran ist die deutsche Mannschaft gescheitert, nicht am fehlenden Leader. Noch ein paar Korinten-Kackereien und dann ist Schluß für heute ... Der Leader der Franzosen 1998 war Didier Deschamps. Den besten Fußball 82 haben nicht die Italiener gespielt sondern die Brasilianer mit Socrates, Zico, Falcao, Eder etc. Das war Fußball vom anderen Stern. Das diese Mannschaft nie Weltmeister wurde ist eigentlich eine Schande. Dagegen sind die Brasilianer von heute ein verzogener Haufen kleiner Kinder die zu heiß gebadet wurden ... Den Namen Sammer will ich hier nie wieder hören, der Typ nervt. Nennt sich Sportdirektor und sieht kein einziges Spiel der Mannschaft bei der WM. Sorry, bei dem stimmt was nicht. Und sein permanentes Gequatsche über Systemfußball nervt auch. mit der damaligen Dortmunder Mannschaft nicht Meister zu werden war schwieriger. In Stuttgart mit einer guten Mannschaft gnadenlos gescheitert. Und jetzt Sportdirektor ... Das die U21 Europameister wurde ist nicht Sammers verdienst sondern das von Hrubesch. Ich behaupte jetzt mal das der Anteil von Sammer an diesen Erfolgen gleich Null ist, der DfB braucht Sammer wie die Beulenpest ... fertig.

    Ach ja, das den Blog und das Thema Fußball, sehr lobenswert, weiter so.

    over 1 year ago (Facebook) responded:
    Fußball wird sich eh nicht durchsetzen.
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    Contributed by Sachar Kriwoj

    • Contributors
    • Sachar Kriwoj Amir Kassaei
  • About 2 von 80 Millionen

    Sachar Kriwoj & Amir Kassaei schreiben hier über die wichtigste Sache der Welt und zwar idealer Weise so, dass alles andere wichtiger erscheint aber das Wichtigste nicht an Wichtigkeit verliert. Mit anderen Worten Fussball und sein ganz eigener Einfluss auf unser Leben.

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